Was ist Sozialmedizin?

Sozialmedizin ist ein Querschnitts- und Brückenfach innerhalb der Medizin. Sie setzt sich zum einen mit den gesellschaftlichen Kontexten und Risikofaktoren von Gesundheit und Krankheit auseinander. Zum anderen analysiert sie das Gesundheitswesen und Versorgung inklusive der politischen, ökonomischen und medizinischen Determinanten.
Um als Ärztin oder Arzt in der Rehabilitation tätig zu sein ist der Erwerb und die Sicherung von sozialmedizinischen Kenntnissen unumgänglich, da vielfältige Begutachtungs- und Beratungsaufgaben für Sozialleistungsträger durchzuführen sind.

Wie wird die medizinische Versorgung bezahlt?
Die medizinische Versorgung in Deutschland wird durch Versicherungen bezahlt. Es gibt die Krankenversicherung, die Unfallversicherung, die Rentenversicherung und die Pflegeversicherung. Alle Menschen in Deutschland haben eine Krankenversicherung und eine Pflegeversicherung. Alle Angestellte haben eine Unfall- und Rentenversicherung. Diese Versicherungen bezahlen die meisten medizinischen Leistungen. Aus eigener Tasche müssen nur wenige Leistungen bezahlt werden.
Was ist medizinische Rehabilitation?
Die medizinische Rehabilitation in Deutschland hat sich neben der sonstigen ambulanten und stationären Krankheitsbehandlung zu einem speziellen, relativ eigenständigen Teil der gesundheitlichen Versorgung entwickelt. In der Rehabilitation soll die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nach einer schwerwiegenden gesundheitlichen Störung sowie bei chronischen Erkrankungen wieder hergestellt werden.
Rehakliniken in Deutschland
In Deutschland werden jährlich ungefähr zwei Millionen Patientinnen und Patienten in einer Rehabilitationsklinik behandelt. Die Kliniken unterscheiden sich nach Fachrichtungen. Die häufigsten Schwerpunkte sind Orthopädie, Suchterkrankungen und Psychosomatik. Weiterhin gibt es z.B. Kliniken mit onkologischen, neurologischen und kardiologischen Fachabteilungen.

Von den etwa 1150 Rehabilitationseinrichtungen befinden sich die meisten in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, was sich anteilig mit der Einwohnerzahl deckt. Rehakliniken liegen traditionell eher nicht in Ballungsräumen sondern in ländlichen Gegenden. Die Nähe zur Natur soll den Rehabilitanden die Möglichkeit geben, sich neben den Therapien angemessen zu erholen. So spielt Meeresluft eine besondere Rolle bei der Erkrankung von Atemwegen, beispielsweise in Rehakliniken in Mecklenburg-Vorpommern. Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg sind auf die Versorgung in angrenzenden Bundesländern angewiesen, da sie selbst nicht über genug Betten verfügen. Für den meist 3-4 wöchigen Aufenthalt reisen viele Patientinnen und Patienten quer durch Deutschland, um eine Klinik mit der notwendigen Spezialisierung und freien Verfügbarkeit zu besuchen.

Träger von Rehakliniken

Rehakliniken werden von unterschiedlichen Trägern unterhalten. Dies sind Institutionen, die die Kosten für die Hilfen und Leistungen zur sozialen, medizinischen oder beruflichen Rehabilitation übernehmen.
Die Rehabilitationsträger sind dazu verpflichtet, erkrankte oder behinderte Menschen umfassend über mögliche Maßnahmen zu informieren und zu beraten. Wichtige Rehabilitationsträger sind die Bundesagentur für Arbeit, die gesetzliche Krankenversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, die gesetzliche Unfallversicherung, Sozialhilfe und öffentliche Jugendhilfe, Kriegsopferversorgung und Kriegsopferfürsorge.
2015 wurden 54% aller Rehakliniken von privaten Betreibern unterhalten, 26 % waren in gemeinnütziger Hand und die öffentlichen Träger hatten mit knapp 20% den geringsten Anteil. Die Rentenversicherung des Bundes und der Länder ist mit 55 Einrichtungen nach der AHG-Allgemeine Hospitalgesellschaft AG und der MEDIAN Kliniken GmbH mit jeweils 42 Einrichtungen der einrichtungsstärkste Betreiber von stationärer Rehabilitation.

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es beim Statistischen Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Vorsorgeeinrichtungen-Rehabilitationseinrichtungen/Tabellen/_tabellen-innen-vorsorge-reha.html

Folgende vier Ziele hat die Rehabilitation
  1. Folgen von Krankheit oder Behinderung bewältigen
  2. Körperfunktionen, Aktivitäten und Teilhabe am sozialen und am beruflichen Leben wiederherstellen
  3. Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verhindern („Reha vor der Rente“)
  4. Pflegebedürftigkeit verhindern („Reha vor der Pflege“) 

Rehabilitation kann stationär oder ambulant stattfinden. Eine Rehabilitation dauert in Deutschland mindestens drei Wochen, in einer psychosomatischen Klinik meist länger. Typische Gründe für eine Rehabilitation sind eine Anschlussbehandlungen nach einer schwerwiegenden akuten Erkrankung (z.B. Herzinfarkt, Einschränkungen der Mobilität durch z.B. eine Fraktur oder Krebs), chronische Erkrankungen wie Rheuma, psychische Erkrankungen und Suchtmittelabhängigkeiten.

Rehabilitation besteht aus vielen Maßnahmen
  • Ärztliche Behandlung
  • Bewegungstherapie (Physio-, Sporttherapie)
  • Arbeitsbezogene Maßnahmen
  • Gesundheitsbildung und Patientenschulung
  • Psychologische Diagnostik und Beratung
  • Entspannungsverfahren
  • Ergotherapie
  • Physikalische Therapie
  • Ernährungsberatung
  • Soziale, sozialrechtliche und berufliche Beratung
Für jede dieser Behandlungen sind spezifische Berufsgruppen zuständig, die in der Reha eng zusammenarbeiten.

Charakteristisch für die Rehabilitation sind die folgenden Rahmenbedingungen:
Die zur Verfügung stehende längere Zeitdauer und damit die Intensität der Therapien, das multiprofessionelle Rehateam, und das Zusammenleben in einer Gruppe von Gleichbetroffenen, gleichsam losgelöst von ihrem üblichen sozialen und beruflichen Umfeld.

Besondere Sichtweisen in der Reha
Bio-psycho-soziales Modell

Grundlegend bei der Tätigkeit in einer Rehabilitationseinrichtung ist ein sehr weites Verständnis von Krankheit und Gesundheit im Sinne des bio-psycho-sozialen Modells. Es geht davon aus, dass Störungen immer körperliche, psychische und soziale Ursachen haben und sich ebenso körperlich, psychisch und sozial auswirken. Daher besteht das Behandlungsteam auch immer aus Berufsgruppen, die eher körperliche Aspekte behandeln (z.B. Ärzteschaft, Physiotherapie, Logotherapie, Ergotherapie), und anderen, die eher psycho-soziale Themen behandeln (Psychologie, Psychotherapie, Sozialarbeit, Sozialpädagogik).

Teilhabe und Funktionsorientierung

Ziel der Rehabilitation ist nicht eine vollständige Heilung einer Erkrankung – außer nach einer schweren Erkrankung im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung. Meistens aber geht darum, Rehabilitierende so weit fit zu machen, dass sie am gesellschaftlichen Leben so teilnehmen können, wie sie es wollen. Die Rehabilitation betrachtet weniger die Diagnosen, sondern vielmehr die Funktionen, die Menschen in ihrem Leben brauchen und durch eine Erkrankung verloren haben. Die Reha orientiert sich daher nicht an der international classification of diseases (ICD), sondern an der international classification of function (ICF).

Partizipation/Teilhabe

In der Reha wird die Selbstbestimmung und Partizipation von Rehabilitierenden gefördert.

Die Rehabilitierenden bringen ihre Zielvorstellungen mit ein und arbeiten gemeinsam mit dem Reha-Team am Erreichen der Zielsetzungen.

Welche Phasen hat die (neurologische) Rehabilitation?

Je nachdem wie stark die Rehabilitierenden eingeschränkt sind gibt es unterschiedliche Phasen der neurologischen Rehabilitation. Die meisten Rehabilitationseinrichtungen bieten nur einen Teil dieser Phasen an.

  • Phase A:
    • Erste Schritte der Rehabilitation, die schon im Akutkrankenhaus stattfindet
  • Phase B:
    • Frührehabilitation: Behandlung von schwerkranken Patientinnen und Patienten, die z.T. noch intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten benötigen. Sie sind oft noch bewusstlos oder bewusstseinsgestört. In dieser Phase soll erreicht werden, dass die Rehabilitierenden bei einfachen Maßnahmen aktiv mitarbeiten können. Diese Phase findet in vielen Bundesländern im Krankenhaus statt (z.B. Fachkrankenhaus für Frührehabilitation).
  • Phase C:
    • Weiterführende Rehabilitation: Die Rehabilitierenden sollen lernen, im Alltag möglichst selbständig zu sein, Rehabilitierende sollen aktiv in der Rehabilitation mitarbeiten können, benötigen aber noch kurativmedizinische Behandlung und haben einen hohe pflegerischen Bedarf. Ziele der weiterführenden Rehabilitation ist eine Frühmobilisation: Gelenkmobilisation, Aufsetzen, Aufstehen.
  • Phase D:
    • Medizinische Rehabilitation: Hier sind die Rehabilitierenden bereits mobilisiert (Mobilität mit oder ohne Hilfsmittel) und es besteht kein wesentlicher pflegerischer Betreuungsaufwand. Sie lernen beispielsweise das freie Gehen und sollen am Ende der Behandlung selbständig im Alltag sein. Berufstätige sollen wieder in das Arbeitsleben integriert werden.
  • Phase E:
    • nachgehende Rehabilitationsleistung und berufliche Rehabilitation nach einer intensiven medizinischen Rehabilitation. Hier soll das bisherige Behandlungsergebnis gesichert werden und die Arbeitsfähigkeit stabilisiert werden.
  • Phase F:
    • Rehabilitation für die Rehabilitierende, die wegen dauerhafter körperlicher oder psychischer Beschwerden betreut werden müssen und kein selbständiges Leben führen können.
Was machen Ärztinnen und Ärzte in einer Rehabilitationseinrichtung?

Ärztinnen und Ärzte in der Rehabilitation arbeiten in einem Team aus vielen Berufsgruppen. In diesem Team haben sie die Aufgabe, den Rehabilitationsprozess zu lenken und zu gestalten. Sie legen mit den Rehabilitierenden zusammen die Ziele der Reha fest und im Anschluss daran die therapeutischen Maßnahmen. Während des Aufenthaltes versorgen sie die Rehabilitierenden medizinisch, überprüfen den Verlauf der Rehabilitation und ändern gegebenenfalls einzelne Therapieteile. Gute kommunikative Kompetenzen und eine gute Beziehung zu den Rehabilitierenden und den anderen Teammitgliedern sind sehr wichtig.

Ärztinnen und Ärzte in der Reha halten auch Vorträge zu wichtigen medizinischen Themen für die Rehabilitierenden.

Sie müssen am Ende des Aufenthaltes für jeden Rehabilitanden eine sozialmedizinische Stellungnahme im Reha-Entlassungsbericht formulieren. Darin bewerten Sie das Leistungsfähigkeit des Rehabilitanden in seinem Erwerbsleben (zum Beispiel bezogen auf den bisherigen Arbeitsplatz) oder in seinem Alltag (zum Beispiel bezogen auf die Selbständigkeit bei der Verrichtungen des täglichen Lebens). Dies ist für die Rehabilitierenden und die Rehabilitationsträger von großer Bedeutung, denn diese Stellungnahme ist eine Grundlage, wenn über weitere Leistungen entschieden wird. 

Damit sind Ärztinnen und Ärzte in der Rehabilitation sowohl Behandelnde und Betreuende als auch Begutachtende. Dies kann zu Spannungen führen.

Wie wird man Ärztin oder Arzt in einer Rehabilitationseinrichtung?

Um als Ärztin oder Arzt in einer Rehabilitationseinrichtung zu arbeiten, sind folgende Dinge notwendig:

  • Vorerfahrungen im jeweiligen Reha-Bereich (z.B. innere Medizin, Orthopädie, Psychosomatik)
  • Gute Sprachkenntnisse
  • Grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich Sozialmedizin und Rehabilitationswesen
    • Verständnis des Zusammenhangs zwischen Erkrankungen und Berufen (z.B. berufliche Anforderungen bei Büroarbeit, Kinderpflege usw)
    • Ganzheitliches Medizin- und Menschenverständnis (dazu gehört das bio-psychosoziale Modell und das Konzept der ICF)
    • Kenntnisse der rechtlichen Vorgaben (relevante Gesetzestexte: Sozialgesetzbücher V, VI, IX, mit den Inhalten zur Aufgaben und Ziele der Rehabilitation, Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe bei Behinderung, sowie die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung zur Teilhabe)
Ärztliche Weiterbildung in der Rehabilitation

Facharztausbildung für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Die Tätigkeiten einer Fachärztin oder eines Facharztes für Physikalische und Rehabilitative Medizin umfassen folgende Aspekte:
Frührehabilitation, die postakute und Langzeit-Rehabilitation sowie die Prävention von Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit sowie die interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung von Struktur- und Funktionsstörungen mit konservativen, physikalischen, manuellen und naturheilkundlichen Therapiemaßnahmen sowie Verfahren der rehabilitativen Intervention.

Nach der Approbation kann man sich in Deutschland als Assistenzärztin oder -arzt für diese Facharztausbildung entscheiden. Die Weiterbildungszeit beträgt 5 Jahre. Davon müssen zwölf Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder in der Neurochirurgie abgeleistet werden. Weitere zwölf Monate sind in der stationären Akutversorgung in der der Inneren Medizin und/oder der Neurologie zu bewältigen.
Die Bundesärztekammer bietet ein Logbuch als Muster (https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/MLogbuch-25-FA-Physikalische-und-Rehabilitative_Medizin.pdf) an, in dem eingesehen werden kann, welche Bereiche dokumentiert durchlaufen werden müssen, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Zusatzweiterbildungen
Nach dem Facharzttitel können weitere ärztliche Qualifikationen erworben werden. Diese führen zu einer Zusatzbezeichnung neben dem Facharzttitel.
Für die ärztliche Tätigkeit in der Rehabilitation sind beispielsweise die Zusatzweiterbildungen Physikalische Therapie, Sportmedizin, Ernährungsmedizin, Psychotherapie oder Sozialmedizin nützlich.
Die Weiterbildungszeit in der Sozialmedizin beträgt 160 Stunden Grundkurs und 160 Stunden Aufbaukurs und wird zumeist innerhalb von 12 Monaten absolviert