Aleksandar Dukic, 45, Assistenzarzt aus Serbien

Alexander Dukic
Aleksandar Dukic

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ehrlich gesagt: ich hatte keinen Job in Serbien. Da ich bereits in der Grundschule Deutsch gelernt habe und es noch etwas konnte, war das für mich die einfachste Lösung. In Deutschland gab es genug Arbeitsplätze. Das hat einfach zusammengepasst. Ich habe zwei weitere Jahre Deutsch in Serbien bis zum C Niveau gelernt und dann habe ich eine Agentur gefunden, die mit Ärzten aus der EU Zone arbeitet. Manche Informationen habe ich zusätzlich von Bekannten per Facebook bekommen und dann war ich in Hannover und hab mich bei der Agentur gemeldet und zwei Monate dort verbracht. Ich habe eine Schule für die Fachsprachenprüfung besucht und dann ging es los mit der Jobsuche über diese Agentur. Ich war insgesamt bei vier Vorstellungsgesprächen: das erste in der Inneren Medizin, das zweite in der Kardiologie und das dritte in der Neurologie. Dann habe ich festgestellt, dass das eigentlich nicht zu mir passt. Ich will nicht in ein Akutkrankenhaus. Ich komme aus der Radiologie in Serbien und ich bin kein Mensch für Notfälle. Ich habe mich gefragt, warum ich es nicht in die Rehabilitation versuche, das passt am besten zur Beschreibung der Jobs, die ich bisher gemacht habe. Das letzte Vorstellungsgespräch erfolgte dann über die Agentur in der Rehabilitation. Bei den ersten drei Vorstellungsgesprächen haben die gesagt „naja, Sie kriegen in zwei oder drei Wochen Bescheid“, aber in der Reha hat das auf der Stelle geklappt. Ich habe sofort einen Vertrag bekommen. Der Chef hat gesagt, er ist zufrieden und er würde mich anstellen. Dann musste ich mich noch um das Visum kümmern. Jetzt bin ich seit dem 19.2.2018 hier in dieser Klinik.
Reha passt zu mir, weil die meisten Abläufe geplant sind. Ich bin ein Mensch, der Planung mag. Ich mag keine Ausnahmen, also wenn etwas plötzlich passiert, und man zehn Sachen gleichzeitig machen muss. Ich bin nicht so gut in Multitasking. Ich mag es, eine Sache zu bearbeiten und dann erst die nächste und dann komme ich gut zurecht mit Allem. In der Reha gibt es fast keine Notfälle, und wenn dann ist es selten und nicht so dramatisch. Ich habe keine Angst vor Arbeit, aber ich brauche keinen Stress. Wir haben viel zu tun von 8 bis 17 Uhr, aber es ist durchorganisiert.

Was waren die größten Schwierigkeiten in der Anfangszeit?

Der Umfang des Jobs, die Gebiete, die zur Jobbeschreibung gehören, sind viel größer als die Tätigkeit einer Reha in Serbien. Bevor ich hier gearbeitet habe, wusste ich nicht viel über die Reha in Deutschland und mir war nicht klar, wie sehr sich die Rehabilitation in Deutschland im Vergleich zu Serbien und anderen EU Ländern unterscheidet. Hier ist Reha etwas Umfassendes, etwas mehr als die physikalische und rehabilitative Medizin, es gehört zudem zur Orthopädie. Zwar sind die Patienten und die Arbeit an sich ähnlich wie in Serbien, aber da es ist nicht so umfangreich. Die sozialmedizinische Beurteilung macht bei uns zum Beispiel jemand anders, nicht die Orthopäden in der Reha.
Dann die verschiedenen Akzente, hier kommen die Menschen aus ganz Deutschland und ich hab nur hochdeutsch gelernt. Dieser fränkische Dialekt ist nicht so leicht. Es gibt noch schwierigere, aber in den ersten zwei bis drei Monaten konnte ich überhaupt nicht verstehen, worüber geredet wird. Ich musste manchmal zehnmal eine Frage auf eine andere Art und Weise stellen und immer noch habe ich manche Ausdrücke nicht verstanden. Die dritte Sache ist, dass wir hier ziemlich entfernt von einer großen Stadt sind. Ich mache Ausflüge, wenn ich Zeit habe, um damit umzugehen. Wenn ich ein paar Tage am Stück frei habe oder ein Wochenende, dann fahre ich nach München, Berlin oder Prag für ein oder zwei Tage.
95% der Mitarbeiter hier, also die Schwestern, Kollegen, Oberärzte und auch der Chef sind freundlich und hilfsbereit. Am Anfang habe ich viel Unterstützung bekommen, die Einführung war ziemlich gut. Mit ein paar Ausnahmen ist das Arbeitsklima ziemlich gut, aber ich glaube es gibt kein Krankenhaus ohne diese Ausnahmen.

Was würden Sie Ärzten und Ärztinnen empfehlen, die eine Karriere in Deutschland planen?

Am besten wäre es, sie würden sich gut informieren, bevor sie hierher kommen. Es gibt diese Facebook Gruppen, da unterhalten sich Leute über den Arbeitsmarkt für Ärzte im Ausland. Da kann man Kollegen fragen, was einen erwartet, nicht nur vom Gehalt her. Hier arbeiten die Leute zum Beispiel mehr Stunden als in Serbien, da bleibt nicht viel Zeit für das Privatleben. Zudem muss man wissen, welcher Fachbereich in Frage kommt. Ich habe Zeit und Geld verschwendet für Vorstellungsgespräche in Bereichen, die mich nicht interessieren und das ist offensichtlich der Grund, warum ich keinen Job bekommen habe. Es ist auch wichtig, Deutsch nicht nur zu lernen, sondern auch mit jemand zu reden. Viele Leute verstehen Deutsch gut, aber sie haben Angst zu sprechen und das kann beim Vorstellungsgespräch eine Bremse sein. Sie haben Angst, Fehler zu machen aber keiner kann eine Fremdsprache gut sprechen, wenn er nicht vorher viele Fehler gemacht.